Notwendige Nachbesserung auf dem sprachlichen Gebiet



Glossen und Possen


'Mal ganz ehrlich'


Ein Support ist ein Support ist ein Support! 

Vor wenigen Tagen hatte ich Probleme mit meinem Festnetz. Ich griff also zum Mobilfon, um bei meiner Telefongesellschaft anzurufen. Der Automat („… wenn Sie dieses und jenes möchten, drücken Sie die 2“, u.s.w.) führte mich bis zum Support, von da an wurde ich von Menschen bedient. Doch das bedeutete nicht, daß es nun einfacher wurde. Denn der Herr antwortete auf meine Frage, was denn Support bedeute, unwirsch mit: „Support ist ein Support!“

Wir müssen uns das einmal „auf der Zunge zergehen lassen“: Da benutzt ein Techniker einen englischen Ausdruck, ohne zu wissen, was der bedeutet! Auf diese Weise könnte ich alles erklären: ein Account ist ein Account! Ein Beamer ist ein Beamer! Ein Coach ist ein Coach!

Wie will er da tief in die Materie eindringen! Und vor allem: Wie soll er sprachliche Kreativität entwickeln? Jedes Kulturvolk versucht, die Welt in seiner Sprache wiederzugeben – fehlen ihm Wörter, kreiert es neue. Nicht so große Teile des deutschen Volkes, das sich damit zufrieden gibt, selbst banalste Ausdrücke aus dem Englischen zu übernehmen. Das erinnert mich an einen Schüler, den ich einst fragte, was denn der Spruch auf seinem T-Shirt bedeute: I'm a nut (Ich bin ein Blödmann, bzw. Ich bin bekloppt). Er wußte es nicht …!

Kann man es noch besser verdeutlichen, dass wir längst begonnen haben, unsere Muttersprache mit Erfolg zur Disposition zu stellen, fragt sich beklommen

Ihr

Anglizismenmuffel

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(Der Verfasser schreibt regelmäßig Glossen für die Deutsche Sprachwelt und das Zevener Sonntagsjournal, die in unregelmäßigen Abständen auch in anderen deutschen Zeitschriften und Zeitungen erscheinen.)