Notwendige Nachbesserung auf dem sprachlichen Gebiet



Glossen und Possen


'Mal ganz ehrlich'


Der Ruf unserer Sprache

Wer sich mit Wilhelm Busch beschäftigt, wird immer wieder zum Lächeln gezwungen. Ein lautes Lachen wird oftmals nur dadurch verhindert, daß uns seine Weisheiten allzu häufig nachdenklich stimmen. Manches Mal frage ich mich, wie er wohl auf das Denglisch reagierte, wäre er ein Zeitgenosse von uns. Ob er es wohl übernehmen oder karikieren würde? Ich bin fest davon überzeugt, er hätte sich für letzteres entschieden, weil er sich für jene sprachlichen Albernheiten zu schade gewesen wäre. Oder glauben Sie wirklich, er hätte einen Satz wie „Ist das Standing erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ allen Ernstes formuliert? Mit Sicherheit nicht, darum benutzte er das Wort Ruf, er hätte auch Ansehen benutzen können.

Warum aber benutzen so viele Menschen das Wort Standing (ausgesprochen: ständing), wenn sie doch nur von ihrem Ansehen sprechen? Ist Ihnen denn ihr Ruf völlig egal?
Und da wären wir wieder bei Wilhelm Busch. Völlig ungeniert bedienen sich viele Menschen der  Anglizismen, von denen es mittlerweile über siebentausend in unserer Sprache gibt. Frei nach einem Spruch des Dichters scheint ihr Motto zu lauten: „Deutsch ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“.
Zumindest glauben sie es, vermutet

Ihr

Anglizismenmuffel

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(Der Verfasser schreibt regelmäßig Glossen für die Deutsche Sprachwelt und das Zevener Sonntagsjournal, die in unregelmäßigen Abständen auch in anderen deutschen Zeitschriften und Zeitungen erscheinen.)