Notwendige Nachbesserung auf dem sprachlichen Gebiet



Glossen und Possen


'Mal ganz ehrlich'


Wer ist hier wer?

Am 2. März 2018 wurde ein Gesetzentwurf im Bundestag beraten, der von der AfD-Fraktion dem Plenum vorgelegt wurde. Er sah vor, Deutsch als Landessprache im Grundgesetz festzuschreiben. Künftig solle, so hieß es u. a., „...staatliches Handeln darauf verpflichtet werden, die deutsche Sprache zum Hauptkommunikationsmedium aller Menschen in Deutschland zu machen. Das Sprechen einer gemeinsamen Sprache habe eine gesellschaftsbildende Funktion und fördere den Zusammenhalt der Gesellschaft ...“ 

Leserinnen und Leser dieser Kolumne wissen, dass ich mich an dieser Stelle von politischen Aussagen fernhalte, mit Ausnahme bei sprachpolitischen Entscheidungen, die nicht gut für unsere Sprache sind. So soll es auch jetzt sein. Eine Argumentation des SPD-Bundestagsabgeordneten Saathoff aus Leer jedoch möchte ich gerne erwähnen. Er hielt seine Rede gegen diesen Gesetzentwurf auf Plattdeutsch und erhielt anschließend frenetischen Beifall, wurde von einigen Kollegen sogar umarmt. Doch warum nur? Ich zum Beispiel hatte so viel wie nichts verstanden, und mir wurde wieder einmal klar, wie wichtig eine Sprache ist, die von allen verstanden wird. Selbst Herr Schäuble, unser neuer Bundestagspräsident, erinnerte den Herrn daran, dass er vom Plenum eventuell nicht verstanden werde.

Für mich hat der Herr allen Gegnern des Antrags einen Bärendienst erwiesen, und ein altes Sprichwort fällt mir dabei ein: Sorge stets dafür, dass der Falsche nicht das Richtige und der Richtige das Falsche sagt.

Ihr

Anglizismenmuffel

Mal ganz ehrlich   >>Archiv

(Der Verfasser schreibt regelmäßig Glossen für die Deutsche Sprachwelt und das Zevener Sonntagsjournal, die in unregelmäßigen Abständen auch in anderen deutschen Zeitschriften und Zeitungen erscheinen.)